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Napoleonische Jubiläen

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Premieren

Sa ◊ 21.9.2019
Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute
von Jens Raschke
Premiere

Do ◊ 26.9.2019
Theater Eisleben

Pfefferminztee auf dem Dach
von Berenika Szymanski
Uraufführung

Do ◊ 26.9.2019
Theater Dortmund

Name: Sophie Scholl
von Rike Reiniger
Premiere

Sa ◊ 12.10.2019
Staatstheater Mainz

Warum erst jetzt
von Liv Heløe
Lesung (in Auszügen)

Fr ◊ 25.10.2019
Theater Metronom

Die Unsterblichen
von Rike Reiniger/ Max Reiniger
Uraufführung

Do ◊ 31.10.2019
Theater Kanton Bern

Am Horizont
von Petra Wüllenweber
Schweizer Erstaufführung

Mi ◊ 6.11.2019
Origin Theatre

Rishi
von Kees Roorda
US-Erstaufführung

Sa ◊ 9.11.2019
Palms

Platz für den König
von Peter Rinderknecht/ Stephan Lichtensteiger
US-Erstaufführung

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Premiere
Jutta Schubert  Coming Out!
Schleswig-Holstein

Unbewusster Diskriminierung mit Theater entgegenwirken

„Das Schleswig-Holsteinische Landestheater hat seit Oktober 2013 ein Klassenzimmerstück in seinem Repertoire, was vom Outing eines Lehrers handelt, der sich über seine Geschichte für mehr Offenheit und Tolerant im sozialen Miteinander einsetzt. Inszeniert hat dieses Solostück [...] Konrad Schulze. [...]

Konrad Schulze, du stehst absolut dahinter mit dem Thema ‘Homosexualität‘ an die Öffentlichkeit zu gehen – warum? Braucht das unsere aufgeklärte Gesellschaft im Jahr 2014 überhaupt noch?

Unsere Gesellschaft ist leider weniger aufgeklärt, als wir das gern von ihr denken. Zwar gehört es zum guten Ton, ‘kein Problem‘ mit Homosexualität zu haben – doch beim Thema Homo-Ehe oder Adoptionsrecht für homosexuelle Paare hört die Toleranz auf und ein heteronormatives Weltbild bestimmt die Wahrnehmung und Beurteilung der Umwelt. Besonders an Schulen gibt es diesen ‘Normzwang‘, der Homosexualität per se ausschließt – Schüler haben kaum die Möglichkeit zu ihrer Homosexualität zu stehen; die reell begründete Angst vor Ausgrenzung ist zu groß. Das Argument, unsere Gesellschaft heute bräuchte den Diskurs nicht mehr, ist ein reaktionärer Versuch, einer weiteren Annäherung entgegenzuwirken.

Was stand für dich im Stück ‘Coming out!‘ thematisch im Vordergrund?

Tatsächlich stand für mich das Coming Out in allen seinen Facetten im Vordergrund. Bei den Eltern, bei seinen Freunden, bei der ersten Liebe. Die innerlichen Kämpfe gegen die eigene Homosexualität und die Angst davor, abgelehnt zu werden. Das ständige Sich-Verstecken, das dem Outing vorangeht. Mir war wichtig, dass die Schüler einen Einblick in den komplizierten und oft jahrelang andauernden Vorgang erhalten. Und tatsächlich sind Schüler oft überrascht, wenn sie hören, wie anstrengend diese Phase für einen homosexuellen Mitschüler sein kann. Der zweite wichtige Punkt war, zu zeigen, dass es sich um eine x-beliebige Liebesgeschichte handelt, die jeder Teenager so oder ähnlich erlebt mit Schmetterlingen im Bauch, dem Schwärmen, der Erfahrung von Ablehnung. In welches Geschlecht man sich da verliebt, ist völlig austauschbar.

Was war dir an der Figur des Lehrers Herr Burghardt wichtig?

Das wichtigste war, dass der Lehrer selbstbewusst mit seiner Homosexualität umgeht. Er will kein Mitleid, er will keine Betroffenheit. Er ist nicht arm dran, weil er schwul ist. Er erzählt von seinem Coming Out, das 25 Jahre zurückliegt, hatte wohl viele Beziehungen inzwischen und ist mit sich im Reinen. Das Graffiti an der Schule, er sei ‘eine schwule Sau‘, wirft ihn nicht aus der Bahn, sondern zeigt ihm nur, dass es für junge Leute heute ebenso schwer ist, wie für ihn damals. Und deswegen erzählt er seine Geschichte. Um die Schüler zu sensibilisieren, was Diskriminierung in anderen auslöst und kaputt machen kann. Mir war wichtig, dass nicht der schwule Mann das Problem ist, sondern die massive, mehr oder weniger unbewusste Diskriminierung, der er jeden Tag ausgesetzt ist.

Einige der Probendurchläufe wurden ja bereits vor Testpublikum aus Schülern und Lehrern gespielt – gab es wiederkehrende Reaktionen und welche kamen dir – im Positiven wie Negativen – zeittypisch?

Oft steckt hinter den einfachsten Aussagen unbewusst doch Diskriminierendes. Entweder sind sie der Meinung, dass Homosexualität kein Thema sein sollte, das Sexualität ins Private gehöre und das doch jeder mit sich ausmachen müsse oder sie geben zu, dass sie zu einem Lehrer, der sich tatsächlich vor ihnen outen würde, erst einmal Abstand einnehmen würden. Immer aber wird Homosexualität gleichzeitig als ‘völlig normal‘ bezeichnet. Die Diskrepanz zwischen Behauptung und eigener Reaktion zeigt wie groß der Handlungsbedarf wirklich ist.“

HAJO93 01.12.2013

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