Aktuelles

Visniec-Werkschau beim Festival d'Avignon Off

Zum wiederholten Male war der rumänische Autor Matei Visniec mit mehreren seiner Stücke beim d'Avignon Off vertreten. Auf dem französischen Festival lief unter anderem eine Produktion von DIE TASCHEN VOLL BROT, das bei uns im Programm zu finden ist. » mehr

Platform 11+

Platform11+ – künstlerische Entdeckungen in europäischen Schulhöfen – ist ein von der EU gefördertes Mehrjahresprojekt. 13 Theatergruppen aus 12 europäischen Ländern werden bis 2013 unter künstlerischer Leitung von Dirk Neldner zusammenarbeiten. Der Theaterstückverlag ist einer der associated partner. » mehr

Wanderlustig ...

... begeben sich das Junge Ensemble Stuttgart und das Teatro La Baracca aus Bologna auf eine gemeinsame Reise. Die Koffer sind gepackt, um bei gegenseitigen Besuchen dem künstlerischen Austausch zu frönen und neue Theaterprojekte auf die weit gewanderten Beine zu stellen. Der Theaterstückverlag steht der internationalen Kooperation beratend zur Seite. » mehr

Premieren

Fr ◊ 17.9.2010
Landestheater Detmold

Moby Dick
von Melville, Schäffler & Ensemble
Premiere

Sa ◊ 18.9.2010
Junges Schauspielhaus Zürich

Weit ist der Weg
von Charles Way
Premiere

So ◊ 26.9.2010
Theater Kiel

Gute Nacht, mein Bär
von Alma Jongerius
Premiere

So ◊ 26.9.2010
Rheinisches Landestheater Neuss

Die zweite Prinzessin
von Gertrud Pigor
Premiere

Fr ◊ 1.10.2010
Schlosstheater Celle

Federspiel
von Esther Rölz
Premiere

Sa ◊ 2.10.2010
Theater Junge Generation Dresden

Schaf
von Sophie Kassies
Premiere

» alle Premieren

Empfehlungen zum Kleist-Jahr 2011

Am 21.11.2011 jährt sich der Todestag Heinrich von Kleists zum 200. Mal. Aus diesem Anlass findet im kommenden Jahr auf Initiative des Bundes, der Länder Brandenburg sowie Berlin und der Stadt Frankfurt (Oder) ein Gedenkjahr zu ehren des Dichters statt. Basierend auf einem seiner bekanntesten Werke - Kohlhaas - möchten wir an dieser Stelle zwei Stücke aus unserem Programm näher vorstellen.

„In Marco Baliani hat die nächste Generation der italienischen Erzählkunst einen würdigen Nachfolger gefunden. Wer ihn erlebt, weiß, wie viel man zum Erzählen braucht. Nichts, außer. Und letzteres ist alles. Ein Mensch, ein Stuhl, eine Geschichte. Marco Baliani erzählt KOHLHAAS. Er spielt ihn, er ist es. Und noch viel mehr. Der ganze Körper spielt mit, seine ganze Haltung erzählt. Nach einer Stunde hat man die Geschichte durchlebt, es ist, als sei man dabei gewesen.” (Wolfgang Schneider)

Heinrich von Kleist/ Marco Baliani/ Remo Rostagno
KOHLHAAS
Solo frei nach Motiven der Novelle von H. von Kleist

Eine leere Bühne, einzelne Scheinwerfer, ein Stuhl und die Sprache: Eine großartige Herausforderung für einen Schauspieler, eine Stunde lang das Publikum mit dieser Geschichte von Ungerechtigkeit, Gewalt und Rache zu fesseln und an jene Zeit zu erinnern, als Begebenheiten noch mündlich weitergegeben wurden.
„Wie lässt sich nach der Vorlage der komplexen und sprachlich komplizierten klassischen Novelle ’Michael Kohlhaas’ von Heinrich Kleist ein Theaterstück schreiben, das heutzutage auf eine Bühne passt? Dem italienischen Autorengespann gelang das mit ihrem ’Kohlhaas’, einem ’Solo für zwei Männer’, und zwar einem Schauspieler und einem Schlagzeuger. [...] Im Mittelpunkt des Geschehens steht der psychologische Hintergrund von Kohlhaas’ Handlungen, der nicht zu bändigende Trieb der handelnden Hauptfigur, erlittenes Unrecht selber auszugleichen und dadurch neue Willkür und neues Unrecht zu schaffen – ein aktuelles Thema, für das sich täglich Beispiele finden lassen.“ (Lübeckische Blätter, 08.10.04)

„Kleist! Er ist ein Genie. Ganz einfach. Die Handlungen seiner Stücke besitzen einen tollen Drive. Sie spielen sich in Höchstgeschwindigkeit ab, high tuned, und sie sind rasanter als viele Actionfilme.“ (Frank Stella)

István Tasnádi
PUBLIC ENEMY
(Kohlhaas)
A provocation with music based on the narrative of Heinrich von Kleist
in englischer Sprache
aus dem Ungarischen von Philip Barker
2 D, 8 H

Das Dilemma des Pferdehändlers Michael Kohlhaas ist bekannt: Auf der Durchreise nach Leipzig wird er von den Leuten des Junker von Tronka aufgehalten. Neuerdings braucht er einen Passierschein. Als Pfand hinterlässt Kohlhaas seine beiden besten Pferde und beauftragt seinen Knecht Herse, sich um die Pferde zu kümmern. In Dresden erfährt Kohlhaas jedoch, dass dieser Passierschein reine Willkür war. Als er auf die Tronkenburg zurückkehrt, findet er seine Pferde misshandelt vor. Kohlhaas Rechtsgefühl ist aufs Empfindlichste gekränkt. Trotz wiederholter Klagen auf legalem Weg, wird ihm sein Recht auf Wiedergutmachung verweigert.
Als seine Frau bei dem Versuch Unterstützung beim Kurfürsten zu erhalten, erschlagen wird, beginnt er einen blutigen Rachefeldzug.
Was passiert jedoch wenn nicht mehr Kleist erzählt, wie sein Rosshändler Michael Kohlhaas radikal Selbstjustiz verübt, sondern die beiden geschundenen Pferde, die ihren Besitzer überhaupt erst in die Raserei getrieben haben?
Public Enemy erzählt den großen Mythos um Recht und Gerechtigkeit einmal ganz anders, nämlich aus der Sicht einer Stute und eines Deckhengsts, die zurückgelassen auf der Tronkenburg so einige Quälereien über sich ergehen lassen müssen. Völlig unterernährt stellen sie sich wieder und wieder Wettrennen, werden geschlagen und verprügelt und erkennen schließlich, dass sie zwar Aufhänger aber eben doch nicht Mittelpunkt des Geschehens um sie herum sind.
Eine Kohlhaas-Variante mit dem nötigen Zeitgeist, die zwar das Gleiche erzählt, aber auf eine ganz neue und innovative Art und Weise. Denn die beiden Zugpferde der Handlung können nicht nur sprechen, sie können auch tanzen, steppen und Beziehungskämpfe ausfechten. Das ganz normale Leben also, während die Welt draußen völlig aus den Fugen gerät. Der zynische Blick von Außen, den die beiden Klepper auf das Geschehen nehmen, gibt den existentiellen Fragen der Kleistschen Novelle nach Recht und Gerechtigkeit den nötigen Witz und Esprit. Ein überaus sinnliches Stück, das die Kohlhaas-Handlung mit Leichtigkeit und Humor anreichert ohne ihr dabei ihre Tiefe und Ernsthaftigkeit zu nehmen.
Dieses Stück liegt momentan nur in englischer Übersetzung vor. Natürlich kann das Stück in dieser Version gespielt werden. Auf Anfrage über den Verlag kann Public Enemy aber selbstverständlich auch übersetzt werden.