Ralf-Günter Krolkiewicz

Keinen Tag länger

"schlimmer ist es/ nicht heraus zu können aus sich/ ein leben lang/ da sind die mauern wohltat/ wenn ich denk/ an die mauern im innern/ schwerer zu überwinden/ als der stacheldraht vorm fenster"
Doris hat ihr Kind umgebracht. Dessen Vater hatte Doris verleugnet und verstoßen. In ihrer eigenen Familie hat Doris nie Halt gefunden, war sie doch selbst ein ungewolltes und ungeliebtes Kind. Seit sechs Jahren sitzt Doris jetzt im Gefängnis. Heute kommt ihre Mutter zu Besuch. Zum ersten Mal. Sie kann Doris nicht verzeihen, nicht den Mord, vor allem aber nicht, dass sie das Bild der heilen Familie zerstört hat.
Krolkiewicz reduziert Sprache und Dialoge aufs Wesentlichste, Doris' tragische Ausweglosigkeit wird durch eine sprachliche Dichte sinnfällig, die einem inneren Monolog nahe kommt und doch alles vermittelt, was entscheidend ist. Nichts darüber hinaus muss von anderer Warte aus erzählt oder erklärt werden. Durch die unterkühlte Knappheit, mit der die dramatische Entwicklung vorangetrieben wird, wird die Perspektive auf die Hintergründe, auf die inneren Vorgänge gelenkt. Ohne eine Moralinstanz einzuführen, lässt Krolkiewicz die Figuren in all ihrer Subjektivität reden, die verschiedenen Sichtweisen und Wahrnehmungen des Geschehenen stehen nebeneinander, prallen aufeinander und werden zum Kommentar des jeweils anderen.

Schauspiel – 3D 1H    frei zur UA
BesetzungshinweisSchauspielerangabe bei Mehrfachbesetzung
TSV-ID1223

Ein Ansichtsexemplar können Sie über theatertexte.de anfordern. Oder Sie nutzen unser .