Martin Gülich

Moon

Vier junge Menschen, ein Spielplatz: ein bisschen abhängen, posieren, die anderen mit tollen Geschichten beeindrucken, sich gegenseitig übertrumpfen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für ein nachmittägliches Treffen. Doch plötzlich werden die Geschichten brutaler, das anfängliche Anstacheln und Wetteifern um die gewaltsamste Geschichte entwickelt sich vom leichtsinnigen Spiel zu brutalem Ernst. Dink erzählt wie kürzlich ein junger Mormone brutal misshandelt wurde: "Die Höflichkeit ist eine wichtige Sache, gerade heute, wo es mit der Höflichkeit den Bach runtergeht, und da ist der Mormone dann mitgegangen, aber freiwillig war das nicht, und ein bisschen haben sie ihm da schon in die Rippen gehauen." Immer stärker reden die Freunde sich in Rage, erzählen Gewalt in ihrer Alltäglichkeit, die zusehends in das Leben der Figuren eindringt. Die Gruppendynamik wandelt sich, man kann zusehen, wie sich die Machtverhältnisse verschieben. Denn plötzlich vereinen sich Dink, Ice und Cube gegen den Vierten im Bunde: Moon. Die Kameras richten sich auf ihn, die Schläge in den Magen beginnen. Moon wird zur Projektion aller Gewaltphantasien und bekommt gezeigt, wie schnell aus einer erzählten Geschichte schmerzliche Realität werden kann.
Der Autor Martin Gülich wollte mit "Moon" bewusst bestimmte Kategorisierungen vermeiden, um aufzuzeigen, dass Gewalt in jedem von uns aufbrechen kann: "Durch die Namensgebung, aber insbesondere durch die Sprache der Figuren, wollte ich die üblichen Kategorien, die beim Thema Gewalt sofort angeführt werden, aufbrechen: jung, männlich, bildungsfern, Migrationshintergrund, etc." (NRWZ, Interview: Andreas Linsenmann, 16.02.08)

„‘Happy Slapping – Fröhliches Dreinschlagen‘ heißt die neue Mode aus Großbritannien und erfährt den besonderen Kick durch die Aufzeichnung. [...] Absurde Szenen aus einigen wenigen Brennpunktvierteln in der guten, friedliebenden BRD? [...] Wie in seinen Büchern möchte Martin Gülich uns nahe bringen, dass Verlierer und Gewinner in unserer Gesellschaft einander näher sind als sie vielleicht wünschen und die Entscheidung, wer Täter und wer Opfer ist, so leicht nicht zu fällen ist. Und so sind Moon, Ice, Cube und Dink nicht so einfach zu klassifizieren. Ihr Ausbruch in Gewalt ist weder attraktiv noch bietet er einen Ausweg. Doch der Spirale von erzählter, nachempfundener und schließlich umgesetzter Aggression kann sich keiner entziehen - oder doch?" (Theaterkanal, 02/2008)

"Ein sehr nachdenklich stimmendes Stück. [...] Eine Parabel über Täter und Opfer, über die Mechanismen von Gewaltphantasien und realer Aggression." (www.rottweil.de, 02/2008)

Jugend – 4H
ab 14 Jahren
Werkangabenein Spiel
AufführungsgeschichteUA: 01.03.08, Zimmertheater Rottweil; R: T. Brüggemann
Besetzungshinweis4 H oder 4 D
TSV-ID1300

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