Esteve Soler

Gegen den Fortschritt

(Contra el progrés)

„Der Titel des Stücks klingt wie ein programmatischer Aufruf, das Stück aber selbst verweigert Zusammenhänge und Schlussfolgerungen. In den sieben ziemlich seltsamen szenischen Miniaturen bricht jeweils ein Störfaktor monströsen Ausmaßes in eine vermeintliche Alltagssituation ein. Oft hat dieser Störfaktor etwas mit dem Tod oder dem großen Unbekannten zu tun und stellt die Figuren vor die Frage, wer oder was sie als Mensch sein möchten, wie viel Anmaßung in der Entscheidung über Schicksal, über Leben und Tod sie an sich reißen wollen. Tendenziell kann man sagen: Sie wollen eher viel zu viel Macht und sind dabei, sich selber abzuschaffen - wen wundert’s?
Szene für Szene wird in diesem Panoptikum skurriler Momentaufnahmen die Realität ein Stückchen weitergedreht und der Begriff ’Fortschritt’ subtil ironisiert. Wem gehört, wem nützt dieser Fortschritt, den wir haben, eigentlich? Gibt es ihn überhaupt? Gibt es ein zivilisatorisches Ziel? Wird alles besser - oder besser nicht? Wer drückt den roten Knopf, oder brauchen wir ihn längst nicht mehr? ’Gegen den Fortschritt’ unternimmt in sehr lakonischem Ton eine aufgeklärt-boshafte Prognose der allernächsten Gegenwart.“ (Viola Hasselberg, Jury, Berliner Stückemarkt 2008)

„Dem Blitzlicht eines Fotoapparats gleich leuchtet Soler seine komischen Miniaturen aus. Wie ein Wissenschaftler untersucht er wie unter einem Mikroskop, was der Mensch sich und der Welt bereit ist anzutun. Das mag moralinsauer klingen, ist es aber nicht. Weil Soler trotz seiner Skepsis, seinem Frust ob der menschlichen Unzulänglichkeit nie das Komische des Lebens vergisst. Ein gutes, kluges Stück.“ (Münchner Merkur, 22.05.09)

„Dass Solers Stück nicht im zähen Morast der Moral versinkt, liegt an den überraschenden Wendungen ins Phantastische und den ironischen Verfremdungen der albtraumhaften Momente. Bei aller Ernsthaftigkeit mangelt es seinen gallenbitteren Miniaturen nicht an Komik. Die erwächst vor allem aus dem Widerspruch zwischen dem Einbruch des Surrealen ins Leben und den Reaktionen der Figuren darauf, die sich an pseudovernünftige Argumente, die vertrauten Haltegriffe der Normalität, klammern." (www.nachtkritik.de, 21.05.09)

„Die Menschen in den sieben unabhängig voneinander zu sehenden Szenen haben mit plötzlichen Irritationen zu tun. […] Der Tod, die Religion, das Unbewusste - alle Störfaktoren stellen in dieser Parabel die Fähigkeit des Menschen in Frage, Veränderungen gewachsen zu sein: Macht ist wichtiger als Schöpfung und Ethik. Fortschritt im Sinne sozialer Weiterentwicklung bedeutet hier Stillstand. […] Sehr realistisch zeichnet Soler seine Figuren, so überzeugend, dass der Betrachter sich selbst zu sehen glaubt.“ (Süddeutsche Zeitung, Extra, 14.05.09)

„Die schrägen Parabeln mit dem lakonischen Grundton [haben] durchaus ihren Reiz - weil sie letztlich mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben.“ (Bühnenschau, 12/2009)

„Es darf gelacht werden beim Auftritt der fabelhaft gelenkten Figuren, aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken. [...] Untergründig, verführerisch, heißblütig, aufbrausend, auftrumpfend, maßlos, überheblich oder auch resignierend sind diese Identitäten, je nach Bedarf, ohne jede Verflachung in ihrer Gestaltungskraft. [...] Kräftig und anhaltender Applaus!“ (Bieler Tagblatt, 20.05.10)

Schauspiel – 1D 3H

ÜbersetzungFrei, Charlotte
OriginalspracheKatalanisch
AufführungsgeschichteUA: 05.02.09, Sala Beckett, ES-Barcelona; R: J. M. Segura Bernadas
Szenische Lesung: 08.05.08, Berliner Stückemarkt; Szenische Einrichtung: L.-O. Walburg;
DSE: 20.05.09, Bayerisches Staatsschauspiel, München; R: J. P. Gloger
SE: 07.05.10, Theater Biel-Solothurn; R. M. Merker
Griechische EA: 26.04.10, Teatro Synergío, GR-Athen; R: Y. Markopulu
Szenische Lesung: 13.-16.06.12, Festival for ny Europæisk Dramatik, DK-Kopenhagen
Französischsprachige EA: 28.09.12, Théâtre du Grütli, CH-Genf; R: X. F. Cavada, E. Devanthéry, P. Dubey, Y. Rihs, E. von Rosen
Italienische EA: 19.10.12, Festival Quartieri dell‘Arte, IT-Viterbo; R: C. F. Giua
ÖE: 23.02.13, ANART theater Hard; R: D. Ullmann-Bautz
Rumänische EA: 08/2013, Teatrul Bulandra; RO-Bukarest; R: B. Pricop
Kroatische EA: 24.02.14, National Theatre, HR-Split; R: N. Delmestre
PublikationUniversity Studio Press, GR-Thessaloniki, 2012; www.universitystudiopress.gr und bei Artezblai > Soler, Esteve: En Contra. 23 Contes Teatralitzats, 3i4 edicions
ZusatzinformationWerkangabe: sieben burleske Szenen
Besetzungshinweis: Schauspielerangabe bei Mehrfachbesetzung
übersetzt ins Griechische von Maria Jatsiemanuíl, ins Französische von Alice Denoyers (Contre le progrès), ins Spanische, ins Englische von Hillary Gardner (Against Progress), ins Italienische von Carles Fernandez Giua (Contro il progesso), ins Dänische, Rumänische von Luminiţa Voina-Răuţ (Contra Progresului), ins Kroatische (Kontra Progresa), Russische, Ungarische und Tschechische
Auszeichnung: 2012, Prix Godot

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