István Tasnádi

Staatsfeind Kohlhaas

(Közellenség (Kohlhaas))
Eine Provokation mit Musik nach der Novelle von Heinrich von Kleist

Das Dilemma des Pferdehändlers Michael Kohlhaas ist bekannt: Auf der Durchreise nach Leipzig wird er von den Leuten des Junker von Tronka aufgehalten. Neuerdings braucht er einen Passierschein. Als Pfand hinterlässt Kohlhaas seine beiden besten Pferde und beauftragt seinen Knecht Herse, sich um die Pferde zu kümmern. In Dresden erfährt Kohlhaas jedoch, dass dieser Passierschein reine Willkür war. Als er auf die Tronkenburg zurückkehrt, findet er seine Pferde misshandelt vor. Kohlhaas Rechtsgefühl ist aufs Empfindlichste gekränkt. Trotz wiederholter Klagen auf legalem Weg, wird ihm sein Recht auf Wiedergutmachung verweigert. Als seine Frau bei dem Versuch Unterstützung beim Kurfürsten zu erhalten, erschlagen wird, beginnt er einen blutigen Rachefeldzug.

Was passiert jedoch wenn nicht mehr Kleist erzählt, wie sein Rosshändler Michael Kohlhaas radikal Selbstjustiz verübt, sondern die beiden geschundenen Pferde, die ihren Besitzer überhaupt erst in die Raserei getrieben haben? "Staatsfeind Kohlhaas" erzählt den großen Mythos um Recht und Gerechtigkeit einmal ganz anders, nämlich aus der Sicht einer Stute und eines Deckhengsts, die zurückgelassen auf der Tronkenburg so einige Quälereien über sich ergehen lassen müssen. Völlig unterernährt stellen sie sich wieder und wieder Wettrennen, werden geschlagen und verprügelt und erkennen schließlich, dass sie zwar Aufhänger aber eben doch nicht Mittelpunkt des Geschehens um sie herum sind. Eine Kohlhaas-Variante mit dem nötigen Zeitgeist, die zwar das Gleiche erzählt, aber auf eine ganz neue und innovative Art und Weise. Denn die beiden Zugpferde der Handlung können nicht nur sprechen, sie können auch tanzen, steppen und Beziehungskämpfe ausfechten. Das ganz normale Leben also, während die Welt draußen völlig aus den Fugen gerät. Der zynische Blick von Außen, den die beiden Klepper auf das Geschehen nehmen, gibt den existentiellen Fragen der Kleistschen Novelle nach Recht und Gereichtigkeit den nötigen Witz und Esprit. Ein überaus sinnliches Stück, das die Kohlhaas-Handlung mit Leichtigkeit und Humor anreichert ohne ihr dabei ihre Tiefe und Ernsthaftigkeit zu nehmen.

Schauspiel – 2D 8H

ÜbersetzungKalász, Orsolya/ Rinck, Monika
Aufführungsgeschichte UA: 1999, Katona József Theater, HU-Budapest; directed by Schilling Árpád
tour all around Europe (Paris, Palermo, Stuttgart, Theszaloniki)
also shown in Prague, Nyitra and Subotica
28.11.2008: Szenische Lesung an der Comédie Française
Rumänische EA: 14.05.11, RO-Oradea
DSE: 15.09.11, Staatstheater Hannover; R: L.-O. Walburg
Nov./Dez. 2011, Polnische EA: Teatr na Woli, PL-Warschau; R: L. Kos
Übersetzungen ins Englische von Philip Barker, ins Französische von Françoise Bougeard (2007 als beste Übersetzung in Frankreich ausgewählt), sowie ins Polnische, Rumänische, Tschechische, Italienische und Slowakische
Preise 1999, “The best new play of the year” – Hungarian Theatre Critics’ Award
Originalsprache ungarisch

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