Rike Reiniger

Zigeuner-Boxer

Hans will vergessen. Vergessen, wie er seinen Freund Ruki kennengelernt hat, als dieser ihm in der Kindheit einen Apfel schenkte. Vergessen, wie Ruki ihn damals als Jugendlicher zum Boxen brachte und als junger Mann - als "Zigeunerboxer" - zunehmend von den Nationalsozialisten am Boxen gehindert wurde. Vergessen, wie sie sich im Arbeitslager wiederbegegneten; wie sie dort zur Belustigung der Wachmänner gegeneinander kämpfen mussten; wie Ruki einen SS-Mann niederschlug und Hans ihn deshalb erschießen musste. Die Erinnerung ist ein Raubtier, eine Würgeschlange. Doch Hans kann sie nicht loswerden. Die Erinnerung ist er selbst.
Reinigers Figur Hans macht die Schrecken der Nazizeit nachfühlbar, indem er die Geschichte einer Freundschaft erzählt, die im Dritten Reich nicht bestehen darf und die doch über den Tod hinaus besteht. Denn im Boxring, so Hans, ist nicht immer der der Sieger, der den Gegner K.O. schlägt. Manchmal gewinnt der, der sich niederschlagen lässt und vom Publikum trotzdem bejubelt wird.

Jugend, Klassenzimmerstück, Monolog, Schauspiel – 1H
ab 14 Jahren

Aufführungsgeschichte04.07.10, Lesung am KuLE Theater, Berlin
07.05.11, Szenische Lesung beim Heidelberger Stückemarkt; Einrichtung: F. Tidén
UA: 23.10.11, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Studio; R: F. Tidén
ÖE: 13.06.12, theaterverein guerilla gorillas, AT-Wien; R: H. Schober (Premiere im Dschungel Wien, Spielort: alter jüdischer Sportklub)
Türkische EA: 15.10.15, Viyola Müzik Organizasyon Menajerlik Hiz.Tic.Ltd.Şti, İstanbul; Spielort: Shaman Art Studios „Masters on the Stage/ Masterclass Hall“
Tschechische EA: 07.03.16, Museum of Romani Culture, CZ-Brno
PublikationKlak Verlag, Berlin, 2015
ZusatzinformationSekundärmaterial: „Gibsy – Die Geschichte des Boxers Johann ‘Rukeli‘ Trollmann“, Filmstart: 17. Januar 2013
Auszeichnung: 2011, Preis des Freundeskreises Heidelberger Stückemarkt
übersetzt ins Englische von Werner Kastor (Gipsy-Boxer), ins Tschechische von Lucie Ceralova (Cikánský boxer) und ins Türkische von Dr. phil. Gülen-Ipek Abali (Çingene Boksör)

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