Saara Turunen

Häschen

(Puputyttö)

Das Mädchen ICH ist Putzfrau im Krankenhaus - ein Fräuleinwunder in Weiß, sauber und ordentlich. Ihre drei Schwestern sind es auch. Die Schwestern haben keine Männer, denn "ein Mann im Haus ist für eine Frau wie ein zweiter Beruf." Das Stück zeigt uns dieses Mädchen-ICH aus fünf verschiedenen Perspektiven in einem bestimmten Augenblick, in Bildern, die vorüberrennen, schneller als das Leben. Einmal möchte das Mädchen sein wie ihr Idol, ein Busenwunder aus dem Fernsehen, dann wieder Stewardess. Ein andermal entwickelt sie blutrünstige Fantasien in Bezug auf ihr Elternhaus, obwohl sie ihre Familie liebt.
In Momentaufnahmen erleben wir sie in Wunschsituationen: an der Seite eines gutaussehenden Mannes mit Geschäftsmannstress, der sie überall mit hinnimmt. Sie ist anders, wenn der gut aussehende Mann dabei ist. Er nennt sie sein "Häschen". Ihr gefällt das alles und der Alltag erhält einen zauberhaften Glanz.
Die Fernsehrealität überlagert das tatsächliche Leben. Kommunikation findet in dieser Traumwelt fast nur auf virttueller Ebene statt, während man Playstation spielt, Porno oder Lieblingswerbung guckt. Manchmal fängt zum Glück alles noch einmal von vorn an, als bräuchte man dafür lediglich einen Schalter umlegen oder sich ein Stück weiterzappen. Dennoch bröckelt das Glück und die Fassade und das vermeintliche Busenwunder-Idol, das auf allen Kanälen zu sehen ist, entpuppt sich als kaninchenherzzerstückelndes Monster.
Was ist mit diesem Mädchen-ICH los? Immer wieder begegnet man der Frage, wie hat Frau oder Mann abgesehen vom Klischee zu sein. Kommentiert wird das Ganze von einem Chor, der ständig zwischen szenischem Spiel und Adressierung des Publikums wechselt. Das passt gut zur Sprunghaftigkeit des ganzen Stückes, sorgt aber auch dafür, dass man nie den Faden verliert. Es wird ein Verhaltenskodex gezeigt, der dem Mädchen zuwider ist. Auf dem Weg zur Selbstfindung flieht es in Wünsche und Träume, in Trotz, Trauer und Wut und verliert dabei genauso den Blick für die Realität, wie ihre Umwelt. Sie ist so fixiert auf das, was sie glaubt nicht haben zu können, dass dies in extremen Fantasien endet. Möglicherweise sieht sie auch gar nicht, dass das Glück schon vor der Tür steht. Gibt es ein Entfliehen aus den festgefahrenen Geschlechterbildern? Wird sie eine Identität entwickeln, das eigene Selbst und die Gesellschaft, in der sie lebt, erkennen und akzeptieren? Wird sie es schaffen, eine Frau zu sein, die man einfach nur lieben kann?

Schauspiel – 5D 3H    frei zur DSE

ÜbersetzungMoster, Stefan
Besetzungshinweis D 5-6
Aufführungsgeschichte Spanische EA: 24.04.08, Institut Del Teatre, E-Barcelona; R: A. Gorina
UA: 16.09.08, Theaterhochschule FIN-Helsinki R: S. Turunen
Originalsprache Finnisch
Übersetzungen übersetzt ins Englische von Heidi Lind: The Bunny Girl
Publikationen bei Lasipalatsi, FIN-Helsinki
Auszeichnungen In der Endrunde des Berliner Stückemarkts 2009

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