José Manuel Mora

Meine Seele anderswo

(Mi alma en otra parte)

"Ein hochpoetisches und dabei unerbittliches Stück, dem es gelingt, das Porträt einer Familie über drei Generationen zu zeichnen. Es braucht dazu nur sechs Szenen von äußerster Reduktion und Dichte, die in rund zehn Jahre auseinanderliegenden Zeiträumen spielen. Antonio, ein 'älterer Mann', und Manuela, eine 'ältere Frau', die eine emotions- und leidenschaftslose Ehe führen und miteinander leben, ohne sich je nahe zu kommen. Manuela, die sagt, sie empfinde mehr Zärtlichkeit für die Kommode ihrer Großmutter als für ihren Mann. Und Antonio, der, man muss es so nennen, ein Liebesverhältnis zu einem zwölfjährigen Mädchen hat. Seine Frau weiß davon, sein Sohn (im Alter des Mädchens) ist heimlicher Beobachter und Zeuge der Begegnungen zwischen seinem Vater und dem Mädchen. Der Text erklärt nicht, er stellt keine falschen Kausalitäten her, er beurteilt und verurteilt nicht, er beleuchtet die Dinge, so wie sie sind. Später stirbt die Frau an Krebs und der Mann zieht sich aufs Land zurück. Der Sohn heiratet das Mädchen, die beiden bekommen ein Kind, das sie wiederum Manuela nennen.
José Manuel Mora schickt seine Figuren, die störrisch und aufrecht die eigene Würde behaupten - jede von ihnen 'mit der Seele anderswo' -, auf eine einsame Reise; er gibt ihnen einige wiederkehrende, verbindende Motive mit, eine karge Sprache und setzt sie dann den Witterungen der Zeit aus. Er tut dies in äußerst liebevoll und genau komponierten Bildern. Es entsteht ein langer Atem in diesen kurzen Szenen. Ein langer Atem und ein archaischer Raum. Der lange Weg zum Sterben, gefüllt mit Sehnsucht, mit unerfüllter Liebe, mit schweigendem Verharren und mit Eigensinn." (Berliner Stückemarkt, Jury, Dea Loher, 2008)

"In sechs knappen Szenen, die stimmungsmäßig irgendwo zwischen Ingmar Bergmann und Luis Buñuel angesiedelt sind, entwickelt Mora die abgründigen Beziehungen, die die einzelnen Familienmitglieder über Jahrzente ebenso machtvoll aneinander bindet wie voneinander trennt, und deren schwarzer Glutkern die Liebesgeschichte des Alten mit der Frau des Sohns ist [...]. Mit großer Gnadenlosigkeit fressen sich die zerstöererischen Gefühle durch Seelen und Beziehungen von drei Generationen dieser Familie und lassen so etwas wie Glück nicht zu." (www.nachtkritik.de, 08.05.08)

"In 'Meine Seele anderswo', das in Osnabrück nicht nur erst-, sonder uraufgeführt wird, entwirft Mora in knappen, vieles nur andeutenden Dialogen eine unheilvolle Familienkonstellation. [...] Es ist etwas Schwüles in diesem Stück, das einem zu schaffen machen kann. Zumal Mora nicht platt verurteilt. Zwar nimmt sich der Alte am Ende einen Strick, doch tut er das nicht aus einem simplen Schuldgeständnis heraus. Eher scheint er ein vorgegebenes Muster erfüllen zu wollen: auf dass sich das Schicksal unerbittlich vollziehe. [...] Jeder Satz, ja, jedes Wort erhält den ihm zustehenden Raum zum Atmen, ohne dass das Ganze in tröpfelnder Langsamkeit erstarrte." (www.nachtkritik-spieltriebe.de, 11.09.09)

"Alles, was diese Menschen sind, tragen sie in sich. Alles von Bedeutung ist in ihrem Leben bereits passiert. Ehen sind ohne Liebe als vermeintliche Auswege aus anderen Sackgassen entstanden und so geht es weiter. Wenn das Schicksal ein Virus ist, ist dieser Clan infiziert. [...] 'Mi alma' ist eine für einen 31-jährigen seltsam abgeklärte Arbeit, die Verletzungen protokolliert - meist nüchtern, manchmal raunend, aber immer präzise -, und dabei von Szene zu Szene Jahre oder Tage vertreichen lässt. Die Bilder dazwischen liefern ausnahmslos Nahaufnahmen, in denen jede der fünf Figuren einmal mit fast jeder anderen alleine ist. [...] Im andeutungsvollen Zwiegespräch, das zuweilen aus parallel geführten Monologen besteht, entblättern sich allmählich die Beziehungen und ihr Geheimnis, das nur auf den ersten Blick dunkel erscheint. [...] Schön, bizarr und schmerzhaft." (www.nachtkritik-spieltriebe.de, 09/2009)

"Grandioser Schlussmonolog - bis ins Bühnenbild ist hier alles gelungen!"(Osnabrücker Zeitung, 05.09.09)

Schauspiel – 3D 2H

ÜbersetzungMuche, Franziska
OriginalspracheSpanisch
AufführungsgeschichteSzenische Lesung: 07/2007, Sala Beckett, ES-Barcelona
Szenische Lesung: Februar/März 08, Centro Cultural Cortazár, ES-Madrid
Szenische Lesung: 08.05.08, Berliner Stückemarkt; Szenische Einrichtung: S. Nübling
UA: 04.09.09, Städtische Bühnen Osnabrück; R: T. Arnarsson
Spanische EA: 30.03.11, Teatro Valle-Inclán im Centro Dramático Nacional, ES-Madrid; R: X. Masó
Publikation10/2009, Theater der Zeit (Stückabdruck)

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