Josef Rödl

Tage wie Nächte

"Unsere Welt reicht so weit wie unsere Erinnerungen. In Josef Rödls Stück für einen Schauspieler schlüpft Thomas Meinhardt in verschiedenste Rollen: Eine Frau feiert Geburtstag, ohne zu wissen wie alt sie ist. Ein Sohn stemmt sich gegen das Verschwinden seiner Kindheit. Ein Ehemann schwelgt in Erinnerungen an seine besten Jahre. Ein Vater sieht sich verleugnet und eine Tochter will nur das Beste. Eine ganz normale Familie also.
Figuren verwandeln sich, Orte verschwinden, Zeiten geraten durcheinander. Wir fallen in eine wild irrationale, doch vollkommen logische Lebensgeschichte, die uns daran erinnert, dass jedes Glück des Vergessens einen schmerzlichen Kern enthält.
Dabei wird von einer alles verändernden und verschlingenden Krankheit erzählt, die Thomas Mann im 'Doktor Faustus' so charakterisiert: 'Meint doch das Wort 'Demenz' ursprünglich nichts anderes, als die Abweichung vom eigenen Ich, die Selbstentfremdung.' - eine Definition, die sehr viel weitergehende Fragen aufwirft nach der condition humaine: Was ist der Mensch, was macht ihn wiedererkennbar und handlungsfähig? Was sind die Grundvoraussetzungen von Verstehen und Verständigung? Was geschieht, wenn der Horizont einer Person schrumpft, wann ist sie nicht mehr die, die sie immer gewesen ist? Und wer oder was entscheidet über Identität und Identitätsverlust?
'Tage wie Nächte' ist eine Recherche über die Abgründigkeit und Haltlosigkeit der Existenz, die 'normalerweise' durch Konventionen und Routinen des Redens, sich Verhaltens und Handelns im Leben oder auf dem Theater verdeckt sind." (Eva Sixt, Dramaturgin)

"Eine starke Leistung. Die theatralische Antwort (eine reale wird es kaum geben) auf die von der Hirnforschung gestellte Frage: Wo sitzt das Ich? Höre ich auf, eine Person zu sein, wenn sich der Sinn für Raum, Zeit, Sprache auflöst?" (TZ München, 31.01./01.02.09)

"Ich erzähle hier einerseits über das Verschwinden von Erinnerungen, den schmerzlichen Verlust von Identität, von Sprache. Aber auch etwas über die Kraft der Imagination, die nur der Mensch hat. Und mit dieser Kraft spielt das Stück." (Josef Rödl in: Landshuter Zeitung 29.01.09)

Schauspiel – 1D 1H

AufführungsgeschichteUA: 29.01.09, Metropoltheater, München; R: J. Rödl
ZusatzinformationDramaturgie: Eva Sixt
Besetzungshinweis: 1 D, 1 H oder 1 D/ H

Wenn Sie sich als Nutzer anmelden, können Sie hier online Ansichtsexemplare bestellen.