Hans-Werner Kroesinger

Die Kindertransporte

"Berlin, Schlesischer Bahnhof. Von hier reisen im November 1938 196 jüdische Kinder aus Berlin mit dem ersten Kindertransport in die Freiheit Großbritanniens. Nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 öffnete die britische Regierung ihre Grenzen für die zeitweilige Aufnahme von bis zu 10 000 Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren. Jedes Kind darf einen Koffer, eine Tasche und zehn Reichsmark mit sich führen und ist mit einer Nummer abgezählt. Für die meisten ist es die erste große Reise überhaupt. Sie sind oft stolz, während es den Müttern und Vätern das Herz zerreißt. Wird es ein Wiedersehen geben? Der Abschied auf dem Bahnsteig wird ihnen verweigert, die Öffentlichkeit soll ausgeschlossen bleiben. In speziell eingerichteten Warteräumen umarmen Eltern und Kinder einander, die meisten ein letztes Mal. Am 2. Dezember treffen sie nach der Überfahrt von Hoek van Holland in Harwich ein. Für die Kinder ist diese Reise eine Reise des Abschieds: von der Kindheit, von den Eltern, von zu Hause, von der Sprache. Der letzte Kindertransport verlässt Berlin am 1. September 1939.
Viele der betroffenen 'Kinder', wie sie sich noch heute nennen, treten erst langsam aus dem Schatten der Überlebenden der Konzentrationslager hervor und beginnen zögerlich, von ihren Erlebnissen der Trennung und ihren Erfahrungen in der neuen Welt zu erzählen. Die Inszenierung verfolgt in Dokumenten und Berichten der Zeitzeugen diese Lebenseinschnitte." (Theater an der Parkaue)

"Die Inszenierung hat starke Momente, ohne je sentimental zu sein und ohne Emotionen vorzuspielen. In ihrer Unaufdringlichkeit, ihrer fragmentarischen Dramaturgie der Ausschnitte lässt sie Leerstellen und gibt dem Raum, was sich einer Darstellung entzieht. Der Stempel 'Deportiert nach Auschwitz', mit dem eine Postkarte an die Eltern zurückkommt, führt in diesen Raum des Unvorstellbaren, des Nicht-Mittelbaren. Was Hans-Werner Kroesinger in seiner Theaterarbeit auszeichnet, seine Neugier, sein leiser Humor, seine Ernsthaftigkeit und Integrität, sein Respekt vor dem Publikum, kennzeichnet auch diese erste Arbeit für das Kindertheater." (Birgit Lengers, Laudatio Brüder Grimm-Preis des Landes Berlin, 2007)

"Ein erschütterndes Zeitzeugnis." (Märkische Oderzeitung, 25.04.06)

"Der Regisseur und Spezialist für dokumentarisches Theater Hans-Werner Kroesinger hat in seiner ersten Jugendtheater-Inszenierung zahlreiche Zeitzeugen-berichte der betroffenen 'Kinder', wie sie sich heute noch nennen, chronologisch ineinander montiert. Zwei männliche und zwei weibliche Schauspieler wechseln unbemerkt zwischen mehreren Rollen und verknüpfen die persönlichen Erlebnisse, Anekdoten, Berichte zu einer großen spannenden Geschichte." (Oranienburger Generalanzeiger, 25.04.06)

"Was Kroesingers Inszenierung so groß macht ist, dass er das Theater nicht an die Fernsehästhetik verrät, sondern auf dessen Charakteristika - die vergleichsweise Langsamkeit, die genretypischen Übersetzungs- und Verdichtungsprozesse und die Textzentriertheit vertraut." (die tageszeitung, 26.04.06)

"Jugendtheater, das auch Erwachsene nicht unterfordert." (tip Berlin, 10/2006)

Jugend – 2D 2H
ab 14 Jahren

AufführungsgeschichteUA: 22.04.06, Theater an der Parkaue, Berlin; R: H.-W. Kroesinger; Ausstattung/ Video: C. Fischbeck, Dramaturgie: K. Marsch
ZusatzinformationWerkangabe: Dokumentartheater
Auszeichnung: 2007, Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin

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