Roger Lille

Südwärts

"Die eigene Qualität des Stückes 'südwärts' von Roger Lille liegt darin, dass der Autor die konventionelle Dialogstruktur des Dramas auflöst zugunsten zweier parallel montierter Monologe, die sich fugisch ineinander verschränken. Der Autor verzichtet auf ein klassisches Handlungsgerüst und eine klassische Zeitstruktur. Vielmehr lässt er seine Protagonisten in eine assoziative Erinnerungswelt eintauchen. Die Protagonisten knüpfen an den Ort ihrer ersten Begegnung an, um dem Vergangenem nachzuspüren und die Erinnerung einzukreisen. Saintes Marie de la mer, die Klippen am Strand, ein Café. Motive zirkulieren, variieren, mitunter im Gleichklang, dann wieder kontrapunktisch. Der Süden wird zur Chiffre für eine unerfüllte Sehnsucht. Der Versuch, eine gemeinsam erlebte Geschichte und den Prozess des Sich-Erinnerns sprachlich erfahrbar zu machen, ist Anliegen des Autors. So avanciert die Sprache zum zentralen dramatischen Ereignis in diesem atmosphärisch dichten Erinnerungsraum für zwei Stimmen." (Heidelberger Stückemarkt, Jurymitglied, Uwe B. Carstensen, 1999)

"Ein junger Mann liegt im Koma. An seinem Bett wacht die langjährige Freundin. An beiden zieht das gemeinsame Leben vorüber - doch sie können darüber nicht mehr miteinander sprechen. Oder konnten sie das nie?
Nicht die großen Konflikte, eher die kleinen Verletzungen des Alltags hinterlassen auf Dauer doch ihre Spuren, die zunehmende Entfremdung nach dem Verlust der ersten Verliebtheit. Der Süden, Ziel der gemeinsamen Urlaube, ist für beide Projektionsort ihrer Sehnsüchte. Und doch wird deutlich, dass auch das, was der eine dort als Nähe empfand, für den anderen nie wirklich dasselbe war." (Westfälische Rundschau, 27.03.00)

Schauspiel – 1D 1H

ZusatzinformationWerkangabe: eine Fuge
Aufführungsgeschichte12.06.99, Lesung beim Heidelberger Stückemarkt
UA: 23.03.00, Schauspiel Essen; R: S. Enk

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