Conny Frühauf

Kein Frühling, kein Herbst

Das Stück zeichnet - aus den wenigen erhaltenen Briefen und Dokumenten - den Lebensweg der französischen Bildhauerin Camille Claudel (1864-1943) nach. Sie überschritt mit ihrem absoluten Anspruch an Kunst und Leben die engen Grenzen der Konventionen ihrer Zeit und wurde 1913 auf Betreiben ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Dort lebte sie, aus der Zeit gefallen, bis zu ihrem Tode, ohne ihre künstlerische Tätigkeit je wieder aufzunehmen.

"Meine Schwester war von außergewöhnlicher Schönheit, dazu von einer Energie, einer Fantasie, einem Willen [...] Ihre Werke sind eine Art Denkmal innerlichen Denkens." (Paul Claudel, Dichter und Bruder Camille Claudels)

"Hier passiert etwas Spannendes, man muss sich darauf einlassen. Eine Montage ist es, die Lebenszeugnisse, Briefe und Tagebücher, zeitgenössische Dokumente, Erinnerungen und Urteile von der und über die Bildhauerin Camille Claudel [...] mit antikem Bildungsgut konfrontiert." (Jurybegründung, Hörspiel des Monats, 10.03.95)

Frühauf entwirft das Bild "einer aufmüpfigen, selbstbewussten Frau, die weniger an sich selbst als an ihrer Umgebung gescheitert ist. Allem voran an der Liebe zu Auguste Rodin, für den sie nur noch Hass und Spott übrig hat - 'ein Staatsbeamter für Schönheit war er geworden'. Nahezu zärtlich erinnert sie sich an ihren jüngeren Bruder Paul, den Schriftsteller und Diplomaten - allerdings war er es, der sie hat einweisen lassen. Ihre Mutter taucht nur als harte und unnachgiebige Frau in den Charakterisierungen der Tochter auf. Mit Liebe spricht sie von ihrer Arbeit, ihren Kunstwerken, deren beste Stücke sie versteckt hat, damit nur sie sie wieder finden kann. Ein Koffer begleitet ihre Rede - sie packt nicht aus, sie will wieder raus aus diesen Mauern." (Neue Vorarlberger Tageszeitung, 29.05.04)

Monolog, Schauspiel – 1D
Besetzungshinweis1 oder mehrere D
AufführungsgeschichteUA: 21.08.98, Schillertheater-Werkstatt, Berlin; R: A. Zimmer
ÖE: 27.05.04, freie Theaterproduktion; R: H. Capovilla (Premiere in AT-Bregenz)
Ursendung der Hörspielfassung: 14.02.95, Radio Bremen; R: H. H. Ott > 1995, Hörspiel des Monats Februar, Jury: Deutsche Akademie der Darstellenden Künste
TSV-ID1157

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