Tom Lycos Stefo Nantsou

Tabu

(Taboo)

Es sollte ein schöner Abend werden für Lea und Xenia. Der erste Abend im Leben der beiden Freundinnen, an dem sie sich mit zwei Jungs verabreden. Sie treffen sich vorher, klären, ob der rote kurze oder doch lieber der blaue knielange Rock die bessere Wahl ist, legen passenden Lidschatten auf. Rouge brauchen sie keines, die Aufregung lässt die Wangen der 14-jährigen ohnehin erleuchten, beim Gedanken daran, die beiden Jungs endlich "in echt" zu sehen. Bisher haben sie nur Bilder von ihnen gesehen, im Internet, in einem Chat: Will und I-Boy nennen sie sich dort. Aber seitdem Lea mit I-Boy chattet, die zwei sich über ihre geheimsten Gedanken austauschen und immer schon vorher zu wissen scheinen, was der andere denkt, ist sie sich sicher: I-Boy ist der Junge, mit dem sie ihr Leben verbringen will. Oder zumindest ein bisschen davon. Dass I-Boy in Wirklichkeit viel älter ist, als er im Chat angegeben hat, das weiß Lea nicht, als sie sich mit Xenia auf dem Weg zum Kino macht, wo die beiden Jungs sie abholen wollen. I-Boy hat gleich vorgeschlagen, Will mit zu der Verabredung zu bringen, damit auch Xenia einen schönen Abend hat. Er soll ganz schüchtern sein, zurückhaltend, lieb. Auch eine Masche, denn eigentlich weiß Will ganz genau, wie man ein Mädchen rum kriegt. Aber auch das wissen Lea und Xenia nicht. Sie sind unerfahren, vertrauensselig; sie wissen es nicht besser, sie sind 14. Ihren Eltern erzählen die Mädchen, dass sie mit Xenias Bruder Nico ins Kino gehen. Der ist eingeweiht und spielt das Spiel mit. Er weiß nicht, dass die beiden Jungs seine Schwester und ihre Freundin in Wills Wohnung bringen werden. Er weiß nicht, dass I-Boy und Will die selbstsichere Lea ablenken werden, damit sie die schüchterne Xenia unter Vorwand ins Schlafzimmer locken können. Er weiß nicht, dass Lea laute Musik hören wird, während Xenia erst von Will, dann von I-Boy vergewaltigt wird. Er weiß es nicht.
Es sollte ein schöner Abend werden, für Lea und Xenia. Nur wussten das Will und I-Boy scheinbar nicht.

"Obwohl das Thema unter die Haut geht, wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Es gibt auch komische Szenen, etwa wenn die Mädchen ihren Eltern vorflunkern, sie gingen ins Kino zu 'Harry Potter. Die Wiedergeburt'. Und am Ende behauptet sich die so zerbrechlich wirkende Xenia: Sie bricht das Schweigen." (Frankfurter Rundschau, 05.10.09)

"Das Stück basiert auf dem wirklichen Fall eines Mädchens in Australien. 'Tabu' ist eine Mischung aus ambitioniertem Aufklärungstheater und Rockrevue. Handlungsebenen und Geschehnisse werden mit wenigen Kniffen, etwa einem multifunkional verwendeten Bett, nur angedeutet oder abstrakt angespielt. So bleibt den jungen Zuschauern genug Freiraum, das Gesehene zu verarbeiten." (Frankfurter Neue Presse, 08.10.09)

Jugend – 2D 2H
ab 14 Jahren

ÜbersetzungFreiling, Susanne
AufführungsgeschichteUA: 23.07.08, Sydney Theatre Company, Wharf 2 Theatre, AU-Sydney; R: T. Lcyos/ S. Nantsou
DSE: 01.10.09, Freies Theaterhaus Ffm.; R: T. Lycos
ÖE: 02.07.13, KulturMarktlücke, AT-Launsdorf (Kärnten); R: P. Marktl
ZusatzinformationBesetzungshinweis: Schauspielerangabe bei Mehrfachbesetzung

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