Friedrich Schiller Alma Zorn

Karl und Amalia

(Die Räuber)
Die Kinder des Lichts weinen am Hals der weinenden Teufel

„Schillers ’Die Räuber’ sind der Aufschrei eines Zwanzigjährigen gegen Unterdrückung und für Meinungsfreiheit, sind die Rebellion der Jugend gegen eine erstarrte Gesellschaft, gegen eine Welt, für die sie nur Verachtung übrig hat.“ (dtv jun. Sch.sp.führer, 1991)
Der alte, wohlhabende Moor hat zwei Söhne: Karl, der Erstgeborene, zeichnet sich durch Intelligenz, Freiheitsdrang und Emotionalität aus; Franz ist ein verschlagener Bösewicht. Er intrigiert, bis Karl enterbt wird, lässt den Vater wegsperren, um selbst die Herrschaft zu übernehmen, und versucht (vergeblich), Karls Braut Amalia für sich zu gewinnen. Karl schließt sich inzwischen einer Horde von Studenten an, die eine Räuberbande gründen und ihn zu ihrem Hauptmann wählen. Ihm geht es um sozialrevolutionäre Motive, doch nicht alle Räuber teilen seinen Idealismus. Es gibt Streit. Zwar gelingt es Karl mit Hilfe der Räuber, sich seines Bruders zu entledigen und seinen Vater zu befreien, doch der stirbt, als er sieht, dass sein Sohn zu einem Räuberhauptmann geworden ist. „Karl“, so Schiller in einer Selbstrezension, „auch im größten Bedrängnis noch Mann, ermordet Amalien, die er nicht mehr besitzen kann, verlässt die Bande, die er durch dieses unmenschliche Opfer befriedigt hat, und geht hin, sich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern.“
Die verschlankte, rasante Bearbeitung von Alma Zorn unternimmt den Versuch, in einer heutigen Sprache dem Schillerschen Sprachduktus gerecht zu werden. Die Reduzierung der Figuren auf Amalia, Karl, Franz, einen Studenten (später Räuber) und den alten Moor verstärkt die Perspektive der Jungen, die im Kampf gegen jegliche Willkür von „oben“ und dem Willen zur Veränderung autoritärer Familienstrukturen der heutigen Jugend sehr nahe stehen.
Schiller analysiert mittels seines überhaupt nicht altmodischen Liebesbegriffes klug und hellsichtig die Mechanismen dieser in ihrem Absolutheitsanspruch fragilen Liebe zwischen Karl und Amalia. Die Liebesgeschichte findet auf der Folie eines von Machtinteressen beherrschten Systems statt, wobei jede der Figuren einen anderen Liebesbegriff verkörpert. Karl und Amalia sind gerade in ihrer Verschiedenheit das perfekte Paar. Die Bearbeitung geht mit dem uns heute so fremd gewordenen Pathos derart um, dass sie sich auf Schillers Sprache einlässt und die beschriebenen Gefühle wirklich ernst nimmt. Die Liebe von Karl und Amalia muss sich an dem von ihnen gesetzten schwindelerregenden Ideal messen, das eine permanente Steigerung verlangt. Sie pushen einander, sobald einer einen Schritt zurückweicht, setzt der andere nach. Solch eine Liebe erlaubt keine Zweifel, da braucht es nicht viel, dass sie umkippt, destruktive Züge annimmt. Ein jeder von uns trägt die Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmtheit und absoluter Liebe in sich. Doch gerade die ganz große Liebe zerstört sich durch die Maßlosigkeit der Ansprüche oft selbst. Das zeigt uns Schiller in diesem Stück auf ungemein intelligente Weise, ohne dabei die Macht der Liebe kleinzureden.
„In der nun fast kammerspielartigen Version sind neben den ungleichen Brüdern Karl und Franz Moor nur noch Amalia, der alte Moor und ein zweiter Räuber übrig. Genug Figuren für einen spannend [...] entstaubten Klassiker.“ (Augsburger Allg./ Allgäuer Zeitung, 09.05.05)

Jugend, Schauspiel – 1D 2H
ab 16 Jahren

ZusatzinformationAltersempfehlung: für Jugendliche/Erwachsene
AufführungsgeschichteUA: 07.05.05, AuGuSTheater, Autonomes Goethe- und Schillertheater, Neu-Ulm; R: C. Riese

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