Jutta Schubert

Adieu Marx

Eine Zeitreise in fünf Akten durch die Jahre 1843 bis 1867 gibt Einblick hinter die Kulissen des Schaffens des großen Philosophen und Journalisten Karl Marx. Es ist ein Einblick in ein von Zensur und Repression erschwertes Hinarbeiten auf eine Revolution, die zum ganzen Lebensinhalt wird und damit kaum Platz für Menschlichkeit im eigenen Umfeld lässt. Ein Einblick in ein Leben in zunehmend unerträglicher Misere, das insbesondere an Marx' Kind nach Kind gebärender Frau Jenny zehrt. Einblick in ein Leben auf der Flucht vor der Obrigkeit, immer auf Koffern, von Land zu Land, mit Polizei, Geheimagenten, Möbelpackern auf den Fersen. Die Manuskripte zählen mehr als das Kind, die Gesundheit der Frau, die Familie, vor allem aber mehr als das Dienstmädchen, der eigentlichen Vertreterin des Proletariats, um dessen Befreiung es ja in Marx' Theorie geht. Diese Theorie, elaboriert im Zusammenstoß der Ideen mit dem Journalisten Ruge, dem Dichter Heine, dem Anarchisten Bakunin und vor allem mit dem Gleichgesinnten und Gönner Engels, steht über allem, ihr wird alles geopfert - aber gleichzeitig wird sie hier durch Marx' eigenes Leben und Denken widerrufen. Der Weg vom Kommunismus zum Despotismus, den so viele spätere kommunistische Staaten gegangen sind, wird in Jutta Schuberts Drama an Karl Marx selbst nachgezeichnet - und der große Theoretiker in seinen vielseitigen Facetten, unter anderem als "eitle[r], streitsüchtige[r] und intolerante[r] Mensch" in "theoretische[m] Wahnsinn", entlarvt.

"Auch Karl Marx hatte ein Dienstmädchen. Während er mit Heine und Engels über bevorstehende Revolutionen spekulierte, versorgte die Proletarierin seine Furunkel. In der Gesellschaft, aus der die jungen Denker heraus philosophierten, war Ungleichheit so selbstverständlich, dass es im Alltag auch den Revolutionären selten auffiel. Alle stammten aus wohlhabenden Familien - gaben sich und ihr Vermögen aber mit Mut und Galgenhumor der Verfolgung durch Zensur und Staat hin. Zumindest zeitweise." (Universal, 06/1998)

"Das Talent der Autorin: Personen in ihrer Vielschichtigkeit zu charakterisieren. Ihre Stärke liegt in der Verdichtung, darin, menschliche Widersprüche auf den Punkt zu bringen und komplizierte Abläufe zu komprimieren." (Trierischer Volksfreund, 07.05.98)

Komödie, Schauspiel – 7D 7H

AufführungsgeschichteUA: 05.05.98, Theater Trier; R: K.-D. Köhler
ZusatzinformationBesetzungshinweis: Schauspielerangabe bei Mehrfachbesetzung
14.12.03, 3sat zeigt in der Reihe „Theaterlandschaften“ ein Portrait des Theaters Trier mit Ausschnitten aus der UA
PublikationSchubert, Jutta: Adieu Marx oder Eine Komödie; Spee-Buchverlag GmbH, Trier, 1998

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