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Premieren

Sa ◊ 21.5.2022
art der stadt

Der Tütendrache
von Susanne Sterzenbach
Premiere

Do ◊ 26.5.2022
Bayerische Staatsoper

Das Kind der Seehundfrau
von Jesse Broekman/ Sophie Kassies
DE mit Neu­komposition

Fr ◊ 27.5.2022
Origin Theatre

Rishi
von Kees Roorda
Englischsprachige Erstaufführung

Sa ◊ 28.5.2022
Theater an der Rott

Das Ministerium der Einsamkeit
von Christian Schönfelder
Uraufführung

Sa ◊ 28.5.2022
Burghofbühne Dinslaken

Pinocchio
von Carlo Collodi/ Petra Wüllenweber
Deutsche Erstaufführung

Sa ◊ 4.6.2022
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Österreichische Erstaufführung

Sa ◊ 4.6.2022
Volkstheater Rostock

Die Kuh Rosmarie
von Andri Beyeler
Premiere

Sa ◊ 11.6.2022
Theater Paderborn

Tannöd
von Andrea Maria Schenkel/ Maya Fanke/ Doris Happl
Premiere

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Uraufführung
Davide Calì/ Sonja Bougaeva/ Anna Wenzel  Wanda Walfisch
Opéra national du Rhin, FR-Straßburg

Du bist, was du denkst: „Marlène Baleine“ an der Elsässischen Rheinoper

Eine poetische Oper für Jung und Alt: An der Elsässischen Rheinoper wurde Marlène Baleine nach dem bekannten Bilderbuch Wanda Walfisch uraufgeführt.
In Deutschland heißt sie Wanda Walfisch, in Spanien Malena Ballena. Und in Frankreich Marlène Baleine. Der Nachname bedeutet in der jeweiligen Sprache immer das Uncharmant-Gleiche: Walfisch möchte man eigentlich nicht genannt werden. Und doch endet die Kinderoper um Marlène Baleine mit einer glücklichen Titelheldin – und einem Walfisch, der gemütlich im Hallenbadbecken plantscht, das Bühnen- und Kostümbildner Christophe Ouvrard kongenial und kreativ auf die Bühne des Colmarer Stadttheaters gezaubert hat. Was ist passiert?
Zunächst einmal – ein beliebtes Kinderbuch erfährt seine ebenso einfühlsame wie geschickte Umsetzung als kleine Oper. Die Theaterautorin und -dramaturgin Anna Wenzel […] hat Davide Calis und Sonja Bougaevas Geschichte von dem Mädchen Wanda oder eben Marlène für die Bühne dramatisiert. Die Musik ist nicht neu, im Gegenteil: Wenzel hat Lieder und Tänze aus der Renaissance ausgewählt und mit neuen, das Stück illustrierenden Texten unterlegt.
Das passt erstaunlich gut zusammen. Die liebenswert-unkomplizierte Renaissance-Musik erweist sich als poetisch und biegsam, sie hat aber auch rhythmischen Drive und harmoniert exzellent mit dem Geschehen, weil sie Stimmungen gut transportiert, ohne dass man ein geübter Hörer sein muss. Und um Stimmungen geht es ganz stark in diesem Stück. Marlène geht nicht gerne in die Schule und schon gar nicht gerne in den wöchentlichen Schwimmunterricht. Warum? Nun ja, sie ist nicht schlank, schwimmt schlechter als die anderen – und wenn sie ins Wasser springt, dann spritzt es ganz arg. „Marlène ist ein Walfisch, Walfisch“ hänseln sie die anderen. Wie wird aus der unglücklichen Einzelgängerin Marlène ein Mädchen, das plötzlich von den anderen akzeptiert wird? Indem sie ihre Einstellung zum Leben verändert. „Du bist, was du denkst“, sagt ihr Schwimmlehrer zu ihr. Will heißen: Trau dich, Kopf hoch, Zuversicht – du kannst das …
Regisseurin Bérénice Collet setzt das Geschehen für die Uraufführung an der Opéra national du Rhin ungemein plastisch um; es gibt ganz viel zu sehen an Aktion und Projektion. Wenn Marlène denkt, sie sei ein Dschungeltier, dann verwandelt sich die Fliesenlandschaft in einen Urwald wie in den herrlich naiven Bildern Henri Rousseaus. Für jeden Handlungsstrang finden sich originelle szenische Lösungen – bis hin zum Schatten Marlènes, der wächst und wächst, wenn sie denkt, sie sei eine Riesin. Ein Spaß für Erwachsene und Kinder. Ab fünf Jahren ist für sie der Besuch empfohlen. Es gibt deutsche und französische Übertitel zum Mitlesen, aber das ist nicht so wichtig. Man versteht die Geschichte ohne Französisch-Kenntnisse. Sie erzählt sich in ihren bewegten Bildern so eindringlich, dass man gar nicht jedes Wort verstehen muss. Denn das Gefühl, sich für irgendetwas zu schämen, nicht gut anzukommen, kennen viele. Ganz abgesehen davon, dass Kinder, die das Bilderbuch gelesen haben, natürlich wissen, was da passiert.
Und durch die Musik kommt dann eben noch eine neue Ebene ins Spiel, fernab dessen, was man sonst mit Oper verbindet. Clémence Schaming (Violine), Liselotte Emery (Zink, Blockflöte) und Marie-Andrée Joerger (Akkordeon) realisieren die Klänge ausdrucksstark und auch virtuos; das Akkordeon passt erstaunlich gut in die Renaissance-Hemisphäre und klingt mal nach Drehleier, mal nach Bass. Die ausgezeichneten jungen Sänger vom Opernstudio der Rheinoper haben spür- und hörbaren Spaß an ihren Partien. Und Florentin Poulain setzt tänzerische Akzente. Die gute Laune überträgt sich auf das vorwiegend junge Opernpublikum. Ob man sich alles, zum Beispiel auch das Gewicht, so leicht denken oder wegdenken kann, wird die 50-minütige Produktion letztlich nicht klären. Man kann es ja mal versuchen.

Badische Zeitung 19.12.2019
http://https://www.badische-zeitung.de/du-bist-was-du-denkst-marl-ne-baleine-an-der-elsaessischen-rheinoper--180713853.html

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