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Premiere
Jens Raschke  Petty Einweg
Mittelsächsisches Theater, Freiberg

Was eine Plastikflasche zu erzählen hat

Rastazöpfe, Stirnband, lässiger Look: Tonja Arina Gold könnte glattweg als Schülerin durchgehen. Wohl auch deshalb ist das Klassenzimmerstück „Petty Einweg“ von Jens Raschke, das Schauspieldirektorin Annett Wöhlert inszeniert hat, ganz nah dran an älteren Kindern und Jugendlichen. Das hat die Premiere am gestrigen Dienstagvormittag gezeigt. Von dem Moment an, als sie das Klassenzimmer betritt, zieht die Akteurin die Sechst- bis Achtklässler in ihren Bann. […]
In der Rahmenhandlung sammelt eine flippige Frau 100.000 PET-Einwegflaschen, um daraus ein Boot zu bauen. […] Nebenbei erfährt das Publikum, dass weltweit 15.855 pfandfreie Plastikflaschen pro Sekunde produziert werden. „In sieben Sekunden sind es genug für mein Boot“, sagt die Flaschensammlerin und schreibt ihre Rechnung an die Tafel – ein schöner Lerneffekt. In einem Buch hat sie noch andere Ideen für leere PET-Flaschen gesammelt. Als sie die Seite mit einer Futterstation für Hamster aufschlägt, grinst ein 13-Jähriger seinen Mitschüler an. Der andere Junge lacht ebenfalls. Doch ihre Mienen verdüstern sich, als die Darstellerin die Frage stellt: „Wer ist das Problem – das Plastik oder der Mensch?“ Auch der Fakt, dass eine Plastikflasche fast 500 Jahre alt werden kann, stimmt die Halbwüchsigen nachdenklich.
Jetzt schlüpft Tonja Gold in die Rolle der Plastikflasche Petty Einweg – und erblickt in einer Getränkekiste das Neonlicht der Welt. Einige Schüler gucken zunächst etwas verwundert. Später sagt Antonio: „Das war am Anfang komisch, aber dann wurde es sehr spannend.“ Die mit Saft gefüllte Flasche kommt in eine Strandbar, wird schnell ausgetrunken, achtlos weggeworfen – und landet zwischen Millionen anderer leerer Flaschen auf einer Müllkippe. Schließlich wird sie ins Meer gespült, von einem Wal verschluckt und stellt fest, dass sie sich bereits zu großen Teilen zersetzt hat. Zudem platzt der Wal wegen dem Plastik. Und dann ist es 500 Jahre später …
[…] Der 13-jährigen Michelle gefiel die andere Perspektive. Und Arthur (13) sagt: „Die Botschaft fand ich gut.“ […] Lucill (13) erzählt vom Bemühen ihrer Familie, möglichst ohne Verpackungen auszukommen. „Aber das ist nicht so einfach. Vor allem, wenn man auf dem Dorf lebt“, sagt sie. Andere Schüler fragen: Was können wir noch tun? Ist es schon zu spät? Was können wir ändern? Ihr Tenor: Möglichst schädliches Plastik vermeiden und Wiederverwendbares bevorzugen. Ein Anfang.

Freie Presse 04.03.2020
http://www.freiepresse.de/mittelsachsen/mittweida/was-eine-plastikflasche-zu-erzaehlen-hat-artikel10742604

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