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Premieren

Di ◊ 1.2.2022
La Grenouille – Theater­zentrum junges Publikum

Wolf
von Theo Fransz
Französischsprachige Erstaufführung

Sa ◊ 5.2.2022
Tiroler Landestheater

Das Cabinet des Doktor Caligari
von Toni Matheis/ Raymund Huber/ Wolfgang Sréter
Österreichische Erstaufführung

Sa ◊ 12.2.2022
Vereinigte Bühnen Bozen

Die Weiße Rose
von Jutta Schubert
Italienische Erstaufführung

Sa ◊ 12.2.2022
Saarländisches Staatstheater

Wanda Walfisch
von Davide Calì/ Sonja Bougaeva/ Anna Wenzel
Deutschsprachige Erstaufführung

So ◊ 13.2.2022
Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Wutschweiger
von Jan Sobrie/ Raven Ruëll
Premiere

Sa ◊ 19.2.2022
Theater Eisleben

Freie Wahl
von Esther Rölz
Premiere

Sa ◊ 5.3.2022
Theater 7ieben & 7iebzig

Im Zustand der Schwerelosigkeit
von Rike Reiniger
Uraufführung

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Bild
© Jochem Jurgens

In der Sache „Rishi“

Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse

Ende November erfuhren wir von einer Gruppe junger Theaterbeschäftigter, die im Rahmen von Workshops, unter anderem auch beim Frankfurter Forum Junges Theater (FForum), eine diskriminierungskritische, antirassistische Theaterpraxis erarbeiten will. Überrascht waren wir, dass unter der Eigenbezeichnung „Aktionsbündis Rishi“ das Stück Rishi unseres Autors Kees Roorda (Foto) als Beispiel eines diskriminierenden Theatertextes herangezogen wurde. Problematisiert wurde an dem auf einem wahren Vorfall in Den Haag beruhenden Stück vor allem, dass Rishi Chandrikasing selbst, der bei einem Polizeieinsatz zu Tode kam, nicht zu Wort kommt und Hinterbliebene und Freunde des Opfers im Text unterrepräsentiert seien.
Der Autor möchte sich deswegen wie folgt zu seinen persönlichen Beweggründen und der Textgenese des Stücks äußern:

„Dass RISHI als diskriminierender Text betrachtet wird, berührt mich auf einer persönlichen Ebene. Es war genau meine Wut über Racial Profiling und meine Sorge um die Sicherheit nicht-weißer Menschen, weshalb ich mich entschied, dieses Theaterstück zu schreiben und für Rishi einzutreten, um weitere Tötungen zu verhindern. Ich glaube, dass Kunst eine soziale Veränderung hervorbringen kann.
Nicht lange nachdem Rishi getötet worden war, verlagerte sich das Interesse der nationalen Nachrichten auf andere Dinge und uns, der Öffentlichkeit, blieb das Bild eines kriminellen Teenagers, der für seinen eigenen Tod verantwortlich war. Die Mitteilung hatte vom ersten Tag an etwas bei mir ausgelöst und ich begann, dem Prozess zu folgen. Als der Polizeibeamte freigesprochen wurde, entschied ich mich, eine performative Vorstellung zu schreiben und die Wahrheit herauszufinden. Doch bevor ich anfangen konnte, so fühlte ich, brauchte ich das Einverständnis von Rishis Mutter. Nachdem ich ihr von meinem Plan erzählt und ihr in ihrer Trauer zugehört hatte, gab sie mir für das Projekt ihren Segen. Ich begann, zahlreiche Personen zu interviewen, die mit Rishis Leben und Tod direkt oder indirekt verbunden waren. Ich war sehr glücklich, als Rishis Bruder, nachdem er die (private) Vorstellung gesehen hatte, mir sagte, er sei stolz, dass sein Bruder endlich rehabilitiert sei.
Der Grund, weshalb ich Rishi im Text keine eigene Stimme gegeben habe, war aus Respekt gegenüber seiner Familie. Außerdem war und ist es meine Überzeugung, dass Rishi durch sein Schweigen eine stärkere dramatische und spirituelle Präsenz im Stück bekommt. Es konfrontiert uns mit der furchtbaren Tatsache, dass Rishi sich nicht verteidigen kann, weil er erschossen wurde, während er auf einen Zug wartete. Aus dem Grund war es mir wichtig zu zeigen, wie lähmend und wie gefährlich unser System für nicht-weiße Menschen ist. Ich bin überzeugt, dass Rishi noch leben würde, wäre er weiß gewesen. Und dieses Bewusstsein macht mich wütend. Doch um zu vermeiden, dass aus meinem Stück ein eindimensionales Pamphlet wird, dass man rasch als ideologisches ‚struggle theatre‘ klassifizieren würde, musste ich die Figuren (und deren Motive), die innerhalb des Systems operieren, bloßstellen. Das bedeutet nicht, dass ich mit ihnen einer Meinung bin. Im Gegenteil. Sie zeigen, wie kaum jemand Rechenschaft übernimmt in einem System, das Verantwortung in Fragmente zerlegt, und wie leicht Fehleinschätzungen und auf Ethnien basierende Vorurteile verhängnisvolle Folgen haben können. Der Text Rishi ist eine emotionale Rekonstruktion der Geschehnisse, beruhend auf Tatsachen. In meiner Suche nach der Wahrheit folge ich der Reihe der Ereignisse. Für mich ist es überaus wichtig, das Stück mit dem Flehen von Rishis Mutter zu beschließen: ‚Bitte. Geben Sie mir meinen Jungen zurück.‘ Ihr Bitten ist eine untröstliche Anklage uns und unserer Gesellschaft gegenüber. — Kees Roorda“ (übersetzt von Alexandra Schmiedebach)

Irritiert hat uns, dass das Aktionsbündnis durch seinen bisherigen Namen als Fürsprecher:innen Rishis und seiner Verwandten auftrat. Da Kees Roorda beim Schreiben des Stücks jedoch eng mit jenen zusammengearbeitet und ihre volle Unterstützung hat, haben wir die Gruppe darum gebeten, von der Verwendung dieses Namens abzusehen, wozu sie sich mittlerweile auch bereiterklärt hat.
Auch wenn in dieser konkreten Sache zwischen dem Aktionsbündnis und uns Uneinigkeit besteht, sind natürlich der Autor, seine Übersetzerin Alexandra Schmiedebach und wir als Verlag ausdrücklich daran interessiert, gemeinsam an einer diskriminierungskritischen und antirassistischen Theaterpraxis und letztlich Gesellschaft mitzuwirken. Genau dieses Anliegen hat Kees Roorda schließlich überhaupt zum Verfassen von RISHI bewegt. Wir würden uns deswegen freuen, unseren Teil zu diesem Vorhaben beizutragen und den Dialog in zukünftigen Gesprächen – zum Beispiel bei kommenden Terminen des FForums – weiterzuführen.