Ralf-Günter Krolkiewicz

Viel Rauch und ein kleines Häufchen Asche

Eine junge Frau, aufgewachsen in Ostpreußen und als Magd an einem Gutshof schon früh Mutter eines unehelichen Kindes, wird zusammen mit vielen anderen durch die sowjetischen Truppen aus ihrer Heimat vertrieben. Nach den unvorstellbaren Entbehrungen auf der Flucht lässt sie sich schließlich ohne ihren Sohn, den sie in ihrer Heimat in Pflege gab, in der Sowjetischen Besatzungszone nieder, um ein scheinbar normales Leben zu führen. Es gelingt ihr jedoch nicht, sich von den Erinnerungen an damals frei zu machen. Ihr Mann, mit dem sie inzwischen eine neue Familie gegründet hat, ist ihr dabei keine Stütze. Da er als Grenzsoldat am Eisernen Vorhang von seiner Schusswaffe Gebrauch gemacht hat, kommt er zunehmend in Bedrängnis. Die Geschichte der Familie wird leitmotivisch unterbrochen von den Begegnungen mit einer rätselhaften Zigeunerin, die die Zukunft in verschlüsselten Aussagen vorwegnimmt.
Rückblickend ziehen die Beteiligten eine Bilanz ihres Lebens, das in besonderer Weise mit den zentralen Aspekten der jüngeren deutschen Geschichte verwoben ist. Krolkiewicz würdigt damit in sprachgewaltigen Bildern die Opfer der Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten.

"Krolkiewicz schultert gewichtige Historie: Zur Flucht der Frau aus dem Osten, die in der DDR eine neue Familie aufbaut, kommt hinzu, dass ihr Mann später als Grenzsoldat am Eisernen Vorhang auf Menschen geschossen hat. Und am Ende muss der Sohn mit diesen schweren Verwerfungen der Familiengeschichte zu Rande kommen. Allerdings wird diese Chronik nicht dokumentarisch herübergebracht. Sie erscheint vielmehr stark durchbrochen: mittels Vermischung der Zeitebenen sowie häufiger Perspektivwechsel - und nicht zuletzt der poetischen Sprache, mit der Krolkiewicz zu Werke geht."
(Rhein-Neckar-Zeitung, 08.05.03)

„Bekenntnisliteratur: Die Tirade nicht scheuend, auch autoaggressiv gestimmt, so muss am Lebensende einiges mal kopfwütend und herzenstraurig in die Welt hin-ausgeschrieen werden, abwechselnd in ratlos ungeschönter, dann wieder in Bedeutung behauptender, poetisieren wollender Sprache. [...] So ein Stück muss Mann einfach mal raushauen. Ralf-Günther Krolkiewicz tat es. [...] Er schrieb Blöcke aus Worten, die halt ausgesprochen werden müssen, um sich verflüchtigen zu können. [...] In seinem Text deutet Krolkiewicz an, dass historisch korrektes Erinnern funktioniert, wenn die Darstellung der Deutschen als Opfer nichts, gar nichts am Nationalsozialismus entschuldigt, der das Elend ausgelöst hat. Und der Autor macht deutlich, dass Verlust, Entwurzelung, Vertreibung und Neunanfang in der Fremde nicht das Erfahrungsfundament für Aussöhnung bietet.“ (Die deutsche Bühne, 13.10.12)

Schauspiel – 2D 2H
AufführungsgeschichteSzenische Lesung: 2003, Heidelberger Stückemarkt
UA: 13.10.12, Schlosstheater Celle, Turmbühne; R: N. Dietrich
BesetzungshinweisSchauspielerangabe bei Mehrfachbesetzung
TSV-ID1198

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